Bildung, Familie und Jugend

Die ÖDP legt einen besonderen Wert auf die Unterstützung der Familien, weil sie in vielen Bereichen unserer Gesellschaft benachteiligt wird. Familienarbeit in Erziehung und Pflege muss daher durch ein sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt anerkannt und der Erwerbsarbeit gleichgestellt werden. Kinder, Jugendliche und alte Menschen müssen besonders individuell und in kleinen Gruppen gefördert, erzogen und gepflegt werden. Daher fordert die ÖDP beispielsweise wohnortnahe Schulen, kleinere Klassen und mehr Personal an Schulen.

ÖDP-Ziele für Bildung, Familie und Jugend

Elterngerechte Arbeitszeitmodelle



Die Erziehung obliegt den Eltern. Daher fordert die ÖDP die Unterstützung von Arbeitgebern bei der Entwicklung von elterngerechten Arbeitszeitmodellen. Erleichterung der Neuorientierung von Müttern und Vätern nach der Familienphase. Dazu bedarf es geeigneter Fortbildungsmaßnahmen sowie der Anerkennung der durch Familienarbeit erworbenen Qualifikationen.

 

Schutz für das ungeborene wie das geborene Kind



Wirksamer Schutz für das ungeborene wie das geborene Kind. Das ist eine Politik, die es allen Eltern, insbesondere den Müttern, ermöglicht, ohne Angst vor gravierenden persönlichen Nachteilen ein Kind anzunehmen und zu erziehen.

 

Mehrgliedriges Schulsystem und mehr Lehrkräfte



Die ÖDP befürwortet das Angebot eines mehrgliedrigen, durchlässigen Schulsystems, in welchem die ganzheitliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler ein vorrangiges Bildungsziel ist. Eine ausreichende Zahl von Lehrkräften ist dazu erforderlich. Dies hat das Land Rheinland-Pfalz bisher nicht bewerkstelligt, insbesondere auch mit Blick auf den Inklusionsauftrag.

 

Inklusionsauftrag



Der Inklusionsauftrag muss mit entsprechenden personellen und räumlichen Voraussetzungen bewerkstelligt werden. Die Inklusion ist ein gesellschaftlicher Auftrag an die Zivilgesellschaft. Der Inklu-sions- (Teilhabe-) Gedanke ist für Menschen mit Einschränkungen, Behinderungsformen und Migrati-onshintergrund der wichtigste und entscheidende Schritt, in die rheinland-pfälzische Zivilgesellschaft integriert zu werden. Die Aufgabe ist ein wichtiges Ziel für die Vielfalt im Zusammenleben in Rheinland-Pfalz.

 

Unterrichtsinhalte



Die ÖDP will moderne Schulen schaffen, die auch praxisbezogen unterrichten (Projektunterricht, Praktika, neuartige Unterrichtsinhalte wie etwa Ökologie, Umweltbildung, Technisch-Kreatives Grundwissen, Soziales Verhalten, Gesundheit, Finanzen, Gärtnern und Kochen), die in kleinen Lerngruppen arbeiten und zusätzliche Tutoren für jede Gruppe einsetzen (um auch Kinder aus schwierigen sozialen Verhältnissen zu fördern), und die durch einen engen Kontakt zu den regionalen Betrieben Zukunftsperspektiven eröffnen.

 

Unterrichtsformen



Zugleich müssen die Unterrichtsformen und Schulstrukturen alters- und schülergerecht sein: spielerisches und strukturiertes Lernen im Kindergarten (verschiedene Vorschulprogramme); gemeinsamer Unterricht aller Schüler während der ersten 6 Schuljahre; modulares Abitur, wahlweise nach 12 oder 13 Jahren, je nach Leistungswillen des betreffenden Schülers bzw. der Schülerin.

 

Sprachunterricht



Langfristiges Ziel ist eine möglichst frühe echte Zweisprachigkeit (Bilingualität) ab dem 2. Lebensjahr auf freiwilliger Basis. Integration von Kindern aus anderen Sprachbereichen und Kulturen; ergänzender Deutschunterricht in Kindergarten und Grundschule; gezielte Förderung lernschwacher Kinder durch zusätzliche Maßnahmen außerhalb des regulären Unterrichts; gemeinsame Gruppen von Behinderten und Nicht-Behinderten; Förderung besonders begabter Kinder im Rahmen selbst gewählter und angebotener Projekte. Spezielle Programme für LRRS (Lese-, Rechtsschreib-, Rechenschwäche).

 

Kindertagesstätten



Erziehung innerhalb und außerhalb von Familien ist Bildung. Lernen in Kindertagesstätten ist nur in kleinen Gruppen möglich (z.B. Verbesserung des OECD-Betreuungsschlüssels in Kindergärten auf mindestens zwei Erzieher/innen für 15 Kinder). Sowohl die innerfamiliäre wie die außerfamiliäre Erziehungsleistung muss gesellschaftlich und finanziell aufgewertet werden. Vor dem Hintergrund der Betreuung von Kindern unter 3 Jahren ist sicherzustellen, dass eine ausreichende Zahl von Erzieherinnen zur Verfügung steht.

 

Mehr Lehrkräfte und begleitendes Personal



Die Qualität des Unterrichts muss gesteigert werden durch eine praxisnahe Lehreraus- und -weiterbildung, eine konstruktive Qualitätskontrolle durch externe Supervision und eine größere Eigenverantwortlichkeit der Schulen. Zugleich eröffnet die demografische Entwicklung, d.h. der mittelfristige Rückgang der Schülerzahlen, zusätzliche Chancen, die wir nutzen müssen: Arbeit in kleinen Lerngruppen, individuelle Förderung Einzelner; Entwicklung einer neuen Unterrichtskultur in kleinen, wohnortnahen Schulen. Die ÖDP möchte erreichen, dass mehr Schulsozialarbeiter und –psychologen zur Unterstützung der Lehrerinnen und Lehrer eingestellt werden. Zudem brauchen wir mehr Lehrerinnen und Lehrer (aber keine Kurzzeit- oder Kettenverträge für Lehrerinnen und Lehrer). Die ÖDP fordert eine Begrenzung der Klassenstärke auf maximal 20 Schülerinnen und Schüler. Management-Training von Schulleiterinnen und Schulleitern

 

Benachteiligung von Familien bekämpfen



Wir brauchen einen konsequenten Abbau der für Familien bestehenden Benachteiligungen nicht nur aus Gerechtigkeitsgründen, sondern auch zur Steigerung der Geburtenzahlen, z.B. durch eine angemessene Honorierung der von Eltern für die ganze Gesellschaft erbrachten Leistungen.

 

Erziehungsgehalt



Über den Bundesrat: Einsatz für ein gerechtes steuer- und sozialversicherungspflichtiges Erziehungsgehalt. Das jetzige einjährige Elterngeld ist keine Anerkennung der Erziehungsleistung, sondern wertet sie aufgrund seiner Einkommensbezogenheit durch Gleichstellung mit Krankheit und Arbeitslosigkeit ab. Im Übrigen muss ein Mechanismus entwickelt werden, wie Müttern oder Vätern nach der Erziehungsphase der Umstieg in eine neue berufliche Tätigkeit ermöglicht wird. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 21.07.2015, das die Zuständigkeit für ein Betreuungsgeld den Ländern zuweist, ist ein Landesbetreuungsgeld als Übergangslösung bis zur Einführung eines Erziehungsgehaltes durch den Bund einzuführen. Es sollte wesentlich höher liegen als das bisherige Bundesbetreuungsgeld von 150 €, um gegenüber der weit kostenträchtigeren, öffentlichen Krippenfinanzierung mehr Gleichberechtigung für Eltern zu schaffen, die ihre Kinder länger als 12 (14) Monate selbst betreuen wollen. Das ermöglicht es den Eltern, ihre Entscheidung stärker am Kindeswohl zu orientieren. Finanzielle Hinderungsgründe dürften nicht bestehen, da bei einem höheren Betreuungsgeld wesentlich niedrigere Ausgaben für Kinderkrippen zu erwarten sind.

 

Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung



Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, bei allen gesellschaftlichen und politischen Vorhaben die unter-schiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern zu berücksichtigen. Das Leitprinzip der Geschlechtergerechtigkeit verpflichtet die Politik, Entscheidungen so zu gestalten, dass sie zur Förderung einer tatsächlichen Gleichberechtigung der Geschlechter beitragen. Ein solches Vorgehen erhöht nicht nur die Zielgenauigkeit und Qualität politischer Maßnahmen, sondern auch die Akzeptanz bei Bürgerinnen und Bürgern.