24.11.2008

Dörfliche Quartiere für Greifvögel, Eulen und Fledermäuse

Anfrage im Ortsgemeinderat Rödersheim-Gronau am 24.11.2008

Die Bestände vieler Greifvogel- und Eulenarten sind am Schwinden. Zum einen fehlen

Nistmöglichkeiten, zum anderen gibt es immer weniger abwechslungsreiche Felder mit

Hecken und Bäumen. Zudem sind intensiv gespritzte Äcker lebensbedrohlich für

Greifvögel: Beute wie Mäuse, Maulwürfe und Insekten enthalten für Raubvögel eine nicht selten tödliche Dosis an Insektiziden oder Pestiziden. Der Turmfalke wurde 2007 zum "Vogel des Jahres" ernannt - nicht zuletzt, um auf die bestandsbedrohende Situation unserer Greifvögel aufmerksam zu machen.

Viele Greifvogelarten und Eulen sind in unsere Dörfer und Städte umgezogen. Nahrung

finden die Tiere in Ortsnähe genug: Mäuse, Ratten und Kleinvögel. Habichte und

Wanderfalken schlagen sogar Tauben, die in vielen Städten zu einer Plage geworden sind.

Greifvögel stellen zwar besondere Ansprüche an ihr Quartier, aber Vogelschützer helfen

mit künstlichen Nistgelegenheiten nach - mit großem Erfolg. Damit wird ein nicht

unwesentlicher Beitrag zur Verbesserung der Bestandssituation für die bedrohten Tierarten geleistet.

Wanderfalken brüten normalerweise in luftiger Höhe in Felsennischen. In unseren Orten

nehmen sie zunehmend von Vogelschützern angebrachte Nistkästen weit oben an

Schornsteinen und Türmen an. Turmfalken und Schleiereulen nehmen gerne geeignete

Unterkünfte in Kirchtürmen oder Scheunen an. Doch immer häufiger werden bei Kirchturm-Renovierungen Schlupflöcher geschlossen und dadurch Greifvögel und Fledermäuse ausgesperrt.

Mehr als die Hälfte unserer Fledermausarten, von denen viele in ihrem Bestand bedroht

sind, bezieht in menschlichen Bauwerken ihr Quartier. Vom Keller bis zum Dachboden

werden je nach Jahreszeit die unterschiedlichsten Verstecke genutzt.

Ein fingerdickes Einschlupfloch genügt z.B. der winzigen Zwergfledermaus, um in einen

Mauerhohlraum oder hinter Fassadenverkleidungen zu gelangen. Im Gegensatz zu diesem Spaltenbewohner mögen Große Mausohren mit ihren 40 cm Flügelspannweite lieber große Dachböden, wo sie sich frei sichtbar an den Dachlatten in typischer Fledermausmanier aufhängen. Aber alle Fledermäuse mögen es gerne warm und ohne Zugluft.

Fledermäuse sind unauffällige Mitbewohner, die keine Krankheiten übertragen und nichts anfressen oder zerreißen. Ihre kleinen Kotkrümelchen bestehen aus den Resten zerkauter Insekten und sind ein hervorragender Blumendünger. Zuweilen verursachen sie am Einschlupfloch zu ihrem Versteck etwas Schmutz. Aber meist sind die Tiere nur ein paar Wochen in einem Quartier und wechseln dann woanders hin.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde bei Renovierungen leider wenig auf die

Schutzbedürftigkeit der kleinen Nachtschwärmer geachtet. Vielerorts sind

Fledermauskolonien infolge von Baumaßnahmen oder sogar gezielten Vertreibungen

erloschen. Dabei gibt es viele Wege, modernes Bauen und Sanieren mit Maßnahmen zum Fledermausschutz zu verbinden.

Die ödp fragt deshalb an,

1. wo in der Verbandsgemeinde bereits „künstliche“ Maßnahmen zur Ansiedlung und

zum Schutz der genannten Arten erfolgt sind

2. welche gemeindlichen und ggf. kirchlichen Bauten sich als Greifvogel-, Eulen- und

Fledermausquartiere eignen würden

3. die ödp bittet darum, gegebenenfalls mit kleinen Eingriffen dafür zu sorgen, dass

für die bedrohten Arten dort geeignete Quartiere geschaffen werden.

Gerne werden die Mitglieder der ödp bei der Prüfung und Quartierschaffung mit Rat und

Tat zur Hand gehen.

Wir bitten um Information in der nächsten Gemeinderatssitzung.

Mit freundlichen Grüßen

Norbert Amberger

Fraktionsvorsitzender